Der Begriff GEWALT in der Erziehung


Gewaltverbot:wichtig in d.Erziehung


 

Das „Gewaltverbot“

Seit 1958 besteht das elterliche „Züchtigungsrecht“ als Gewohnheitsrecht. Dies stellte im Sinne des Strafrechts einen gesetzlichen Rechtfertigungsgrund für Körperverletzung dar. Die von der Bundesrepublik 1992 ratifizierte UN- Kinderrechtskonvention verpflichtet, alle geeigneten Gesetzgebungsmaßnahmen zu treffen, um das/ die/ den Kind/ Jugendliche/ n vor jeder Form der geistigen oder körperlichen Gewalt zu schützen. Jedoch ließ sich in Deutschland lange keine gesetzliche Änderung durchsetzen, weil eine „Kriminalisierung der Eltern nicht gewünscht war“. Im Rahmen der Reform  des Kindschaftsrechts von 1998 wurde § 1631 Absatz 2 BGB so umformuliert: „entwürdigende Erziehungsmaßnahmen, insbesondere körperliche und seelische Misshandlungen, sind unzulässig“. Im November 2000 wurde §1631 II BGB durch das „Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung“ so gefasst: „Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind  unzulässig“. Dies stellt nun ein Verbot gegenüber den Eltern dar. Sie dürfen bei der Ausübung der Personensorge körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere „entwürdigende Maßnahmen“ nicht mehr anwenden. Angesichts der Tatsache, dass in der außerfamiliären Erziehung Anbieter ihre Erziehungsverantwortung aus dem elterlichem Erziehungsauftrag ableiten, gilt das Gewaltverbot auch für diese. In 2001 wurde also in Deutschland „Gewalt in der Erziehung geächtet“, ein generelles Züchtigungsverbot gesetzlich fixiert. In Schulen besassen Lehrer immerhin bis ins Jahr 1973 ein Züchtigungsrecht. Dies zu realisieren, ist wichtig, bevor über die Vergangenheit (Nachkriegsheimgeschichte) geurteilt wird. Die Beurteilung von Vorkommnissen der Vergangenheit ist konsequent anhand der zum jeweiligen Zeitpunkt geltenden Gesetze zu vollziehen. Insoweit ist es z. B. äußerst schwierig, früher aufgrund des „Züchtigungsrechts“ zulässiges Handeln gegenüber strafrechtlich relevanten Misshandlungen abzugrenzen. Keinesfalls darf die heutige „Ächtung von Gewalt“ (§ 1631II BGB) zugrunde gelegt werden.

Es genügt nicht, das Thema „Erziehen und Gewalt“ auf die Vergangenheit auszurichten. Im Fokus sollte vielmehr die heutige Pädagogik stehen, verbunden mit der Feststellung, dass Ursachen der Vergangenheit auch heute noch existent sind, wenn auch mit früheren gravierenden Vorkommnissen nicht vergleichbar:

  • Es wurde und wird nicht zwischen den unterschiedlichen Betreuungsaufträgen „Erziehen“ – „Aufsicht“ unterschieden, damals mit der Folge von Züchtigung und Drill, heute mit der Folge, dass typische Aufsichtsinstrumente als „Erziehung“ deklariert und pädagogisch begründet werden: z.B. Videokameras, Kontaktsperren,Freiheitsentzug, Postkontrolle.
  • Es gibt keine gesicherte, ausreichende Transparenz
„Gewaltverbot in der Erziehung“
 „Gewalt“ ist als Machtmissbrauch einzustufen → Prüfschemata zulässige Macht
Z.B. In Deutschland (§ 1631 II Bürgerliches Gesetzbuch/ BGB) und Österreich  (§ 137 Allg. Bürgerliches Gesetzbuch).ist jegliche Form von Gewaltanwendung als Erziehungsmittel untersagt. Österreich: „Die Anwendung von Gewalt und die  Zufügung körperlichen oder  seelischen Leides sind  unzulässig“.

Gewalt und entwürdigende Maßnahmen in außerfamiliärer Erziehung

Wann liegt „Gewalt“ vor? Zweistufiger Projektvorschlag:

1. Wann kann „Gewalt“ vorliegen? → Im Interesse des Kindesschutzes bei jedem gegen den Willen eines/r Kindes/ Jugendlichen gerichteten Verhalten.

2.Wann liegt „Gewalt“ im Einzelfall vor? Im „Spannungsfeld Erziehungsauftrag – Kindesrechte“ werden ganzheitlich fachlich- rechtliches Prüfschemata zulässige Macht angeboten. Danach wird „Gewalt“ mit „Machtmissbrauch“ gleichgesetzt.

ZULÄSSIGE MACHT  ←  MACHT  →  MACHTMISSBRAUCH / GEWALT

ABER: Erwartung an zuständige Behörden und Fachverbände: gebt der Praxis Antwort auf die Frage,welches Verhalten unter das „Gewaltverbot“ fällt: durch einen fachlichen Orientierungsrahmen von „Leitlinien pädagogischer Kunst„.

Wie sich in zahlreichen bundesweiten Seminaren zeigt, die zugunsten von Anbietern außerfamiliärer Erziehung durchgeführt werden, geht es um die Handlungssicherheit der PädagogInnen im Kontext der Abgrenzung „zulässiges Verhalten – Machtmissbrauch“. Hierzu bietet das Projekt Prüfschemata zulässige Macht an, die anhand von Fragen die Abgrenzungsfrage beantworten, mithin klären, wann „Gewalt“ vorliegt, die in der Erziehung gesetzlich „geächtet“ ist. Bemerkung: für die Heilpädagogik, die Kinder- und Jugendpsychiatrie und mittelbar Verantwortliche wird jeweils ein spezielles Prüfschema angeboten.

Erläuterungen zum Prüfschema:  Prüfschema erklärt

Ergebnis

„Gewalt“ kann bei allen Grenzsetzungen gegeben sein, bei Verhalten, das gegen den Willen eines Kindes/ Jugendlichen gerichtet ist. Im Einzelfall liegt „Gewalt“ vor bei:

  • Verhalten, das fachlich nicht begründbar und im Rahmen von Gefahrenabwehr nicht zu rechtfertigen ist
  • Verhalten, das zwar fachlich begründbar, jedoch nicht von der Zustimmung Sorgeberechtigter getragen ist

Um zukünftig den Begriff „Gewalt“ in der außerfamiliären Erziehung zu konkretisieren, sind „Leitlinien pädagogischer Kunst“ notwendig. Neben dieser fachlichen Konkretisierung ist auf der gesetzlichen Ebene ein Kindesrecht auf fachlich begründbare Erziehung (in Art 6 GG oder im SGB VIII) festzuschreiben, das Basis für diese Leitlinien ist und zugleich das „Gewaltverbot“ auf der rechtlichen Ebene erläutert.