Ziele


Pädagogik und Recht als Einheit


Wichtige Projektideen im Schnelldurchlauf 7.Station „Kindeswohl“


Für den deutschsprachigen Raum: Projekt kompakt zum ausdrucken

I. BOTSCHAFT „BRÜCKE PÄDAGOGIK – RECHT“

Pädagogische Qualität wird in der „Brücke Pädagogik – Recht“ symbolisiert.

Pädagogische Qualität setzt voraus, dass sich PädagogInnen und mittelbar Verantwortliche (z.B. Behörden) daran orientieren, ob ihr Verhalten/ Entscheiden fachlich verantwortbar und rechtlich zulässig ist, symbolisch verdeutlicht in einer Brücke.

BRÜCKE PÄDAGOGIK-RECHT im neuen Denkansatz integriert fachlich- rechtliche Sicht

Brücke Päd- Recht 4

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Das elementare Projektsymbol BRÜCKE PÄDAGOGIK - RECHT

Der Kindesschutz und die im Spannungsfeld Pädagogik – Recht notwendige Handlungssicherheit Verantwortlicher erfordern legitimes (fachlich verantwortbares) und legales (rechtlich zulässiges) Verhalten: eine integriert fachlich- rechtliche Sicht im Rahmen der bestmöglichen Wirksamkeit. „Fachlich verantwortbar“ beinhaltet, dass nachvollziehbar pädagogische Ziele verfolgt werden. Im Ergebnis setzt pädagogische Qualität Legitimität und Legalität voraus, verbunden mit bestmöglicher Wirksamkeit (prognostische Wahrscheinlichkeit des Erreichens pädagogischer Ziele): auf Seiten unmittelbar verantwortlicher PädagogInnen und mittelbar verantwortlicher Leitungen, Träger, Behörden (z.B. Jugend-/ Landesjugendämter und Schulaufsicht).

Pädagogische Qualität basiert auf angewandter Erziehungsethik, beinhaltend fachlich- pädagog. Orientierung. Zunehmende Ökonomisierung und Zwang in der Pädagogik (z.B. steigende Platzzahl “geschlossene Unterbringung”) belegen die Notwendigkeit, zu ausformulierter Erziehungsethik zu gelangen! Die Herausforderung der Pädagogik lautet: Wie wird angesichts solcher Entwicklung das vorrangig zu beachtende „Kindeswohl“ (Art 3 UN Kinderrechtskonvention) gesichert? Antwort: durch ausformulierte Erziehungsethik, d.h. durch „Leitlinien pädagogischer Kunst„, eine Aufgabe bundesweit aktiver Fachverbände!

Angewandte Erziehungsethik ist bereichsspezifische Ethik:

Auf der Grundlage ausformulierter Erziehungsethik („Leitlinien päd. Kunst„) – auch bereits jetzt – sollte die Brücke Pädagogik – Rechtim integrativen fachlich- rechtlichen Ansatz begangen werden (s. oben). Allzuoft werden derzeit die Bereiche der „fachlichen Verantwortbarkeit“ und der Rechtmäßigkeit parallel betrachtet. So finden sich zum selben Thema getrennte fachliche und rechtliche Bewertungen. Oder: es wird das Bundeskinderschutzgesetz ohne Praxisbezug rechtlich kommentiert. Oder: Fachkräfte werden durch Staatsanwälte mit Strafrecht konfrontiert: könnte nicht eine in schwierigen Alltagssituationen praktizierte integriert fachlich- rechtliche Betrachtung entge- gen wirken? Oder: die Begriffe „Gewalt“, „Kindeswohl / – gefährdung“ sind in juristischem Gestal- tungsmonopol festgelegt: besser wäre es doch, diese Begriffe in Handlungsleitlinien fachlich zu konkretisieren, einen Beurteilungsrahmen für die juristische Auslegung bereitzustellen

Wichtig:

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Projektziel: Kindesschutz durch gleiches Kindeswohlverständnis:

Pädagogen und mittelbar verantwortliche Behörden entscheiden über das Wohl von Kindern und Jugendlichen (Kindeswohl). Sie sollten dies im Kontext objektivierender Strukturen nachvollziehbar tun: neben der Rechtsordnung auch fachlich- rechtliche Strukturen reflektieren, z. B. des Projekts Pädagogik und Recht. Natürlich liegt jeder für das Kindeswohl relevanten  Entscheidung die subjektive Bewertung einzelner Situationen zugrunde. Dies beinhaltet aber kein Ermessen, vielmehr ist der unbestimmte Rechtsbegriff „Kindeswohl“ in einem Beurteilungsrahmen zu sehen, was vor allem für weisungsbefugte Behörden wie Jugend- / Landesjugendämter von Bedeutung ist. Aufgabe der institutionellen Erziehung ist es, diesen Orientierungsrahmen selbstbindend in Handlungsleitlinien zu beschreiben.


II. PROJEKT – LEITSÄTZE

Die Projektideen sind von folgenden Leitsätzen getragen:

Das bedeutet:

Integriert fachlich- rechtliche Sicht

Päd. Straße

Zugrunde liegende Überlegungen:

  • Wir sind der Überzeugung, dass pädagogische und rechtliche Anforderungen in ihrer Gesamtheit zu betrachten, d.h. für schwierige Situationen des pädagogischen Alltags dementsprechend integrative Lösungen zu finden sind.
  • Der Kindesschutz erfordert Handlungssicherheit unmittelbar verantwortlicher PädagogInnen und mittelbar verantwortlicher Jugend- / Landesjugendämter im Rahmen einheitlichen Kindeswohlverständnisses.
  • Vor allem der Kindesschutz in familienanaloger Erziehung und in Einrichtungen bedarf neben der Rechtsordnung Orientierungshilfe bietender Strukturen.
  • Solche Strukturen sollten im Vorfeld der Legalität „fachliche Verantwortbarkeit“ umfassen.
  • Die „fachliche Verantwortbarkeit“ sollte in Handlungsleitlinien von Anbietern, Behörden und Fachverbänden formuliert werden.
  • Die Handlungsmaxime „fachliche Verantwortbarkeit“ entspricht „pädagogischer Kunst“.

III. Ziel „gemeinsames Kindeswohlverständnis“ bei Anbietern, Jugend-/ Landesjugendamt

Es geht um die Stärkung der Handlungssicherheit von PädagogInnen in schwierigen Situationen der Pädagogik, insbesondere der stationären Erziehungshilfe: auf der Grundlage eines gemeinsam mit Jugend- und Landesjugendämtern verantworteten Systems ganzheitlich fachlich- rechtlicher Bewertung. Ein dementsprechend formuliertes und zur Orientierung umgesetztes Bewertungs- system soll helfen, verantwortbare „Macht“ von „Machtmissbrauch“ abzugrenzen, insoweit durch Konkretisierung des „Kindeswohls“ und der „Kindeswohlgefährdung“ zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen.


IV. BEISPIELE AUS DER PRAXIS

Beispiele, die Macht und Ohnmacht im Rahmen des Gewaltverbots der Erziehung verdeutlichen bzw. fragwürdige Entscheidungen von Behörden:


V. HANDLUNGSLEITLINIEN:WENIGER SUBJEKTIVITÄT IM ENTSCHEIDEN

Diese Website beinhaltet Strukturvorschläge, welche die subjektiven Anteile der Pädagogik- Entscheidungen reduzieren. Der unbestimmte Rechtsbegriff wird objektivierend konkretisiert, damit ausschließlich subjektiver Auslegung entgegengewirkt. Pädagogisch nicht begründbarem Verhalten von PädagogInnen bzw. möglichen beliebigen Entscheidungen von Jugend-/ Landesjugendämtern wird begegnet.

So wichtig die pädagogische Haltung von PädagogInnen und MitarbeiterInnen in Jugend- bzw. Landesjugendämtern ist, so haben sie doch genüber den Kindern/Jugendlichen die Verantwortung, die jeweilige Auslegung des Kindeswohls anhand objektivierender Strukturen („fachliche Verantwortbarkeit“ und Kindesrechte) zu reflektieren. Die im Rahmen der „fachlichen Verantwortbarkeit“ relevante
pädagogische Schlüssigkeit sollte dabei in Handlungsleitlinien beschrieben werden: in „fachlichen Handlungsleitlinien“ der Anbieter und in „allgemeine Handlungsleitlinien“ mittelbar verantwortlicher Behörden. Damit sind sodann solche internen Handlungsleitlinien der Frage vorgeschaltet, ob Gesetze/ Kindesrechte beachtet sind.

Es  geht um  Kindesschutz und  Handlungssicherheit, ausgehend von der Grundlagenidee Pädagogik und Zwang in  folgenden Bereichen:

  • Jugendhilfe
  • Schulen / Internate
  • Stationäre Behindertenhilfe
  • Kliniken der Kinder- und Jugendpsychiatrie

Kindeswohl objektivierende Strukturen sind z.B. aufgrund der Erfahrungen  mit der Nachkriegsheimgeschichte von hoher Bedeutung (Hinweis: analoges Anwenden auf Eltern/ Sorgeberechtigte ist angezeigt).

  • Warum beklagt sich die pädagogische Fachwelt über das Gestaltungsmonopol der Juristen- Prof. Sünker/ Wuppertal 7.11.12 – , wenn dem nichts entgegen gesetzt wird, z.B. fachliche Leitlinien, die den unbestimmten Rechtsbegriff Kindeswohl konkretisieren? 

Der Autor vertritt die Position, die Pädagogik habe im Vorfeld der Rechtsnormen – im Ergebnis diese beachtend – eigene Handlungsleitlininien zu beschreiben. Warum akzeptieren wir das „Gewalt“verbot in der Erziehung, ohne eine fachliche Antwort darauf zu geben, was im Kontext des natürlichen Machtüberhangs der Erziehung verantwortbares Verhalten ist, also keine unzulässige „Gewalt“ i. S. des Bürgerlichen Gesetzbuchs (§1631II BGB)? Haben wir aus der Nachkriegsheimgeschichte gelernt, die angesichts des s. g. „Züchtigungsrechts“ Schlagen als „Erziehung“ begriff? Ist das rechtlich zulässige Verhalten automatisch als fachlich verantwortbar zu übernehmen? Gibt es neben der Legalität nicht so etwas wie fachliche Legitimität? Existiert nicht ein gesellschaftlicher Auftrag, i. R. von Erziehungsethik die fachliche Legitimität zu beschreiben, d.h. den unbestimmte Rechtsbegriff Kindeswohl zu konkretisieren? Sünker: „Es ist Aufgabe der Jugendhilfe, disziplinär und professionell begründete Kriterien zur Fassung unbestimmter Rechtsbebegriffe zu formulieren“.

Fangen wir also an, den Begriff Kindeswohl in Form von Orientierungshilfe leistenden Handlungsleitlinien zu erklären:

  • Anbieter in „fachlichen Handlungsleitlinien“ als transparente, selbstbindende pädagogische Grundhaltung (§ 8b II SGB VIII)
  • Jugendämter/ Landes- in „allgemeinen Handlgsleitlinien2 als transparente Bindung in der Aufgabenwahrnehmung
  • Fachverbände in „Leitlinien pädagogischer Kunst“ als ausformulierte Erziehungsethik.

Übrigens: der Gesetzgeber geht davon aus, dass nicht nur Jugendhilfe- Einrichtungen „fachliche Handlungsleitlinien zur Sicherung des Kindeswohls und zum Schutz vor Gewalt“ beschreiben (§ 8b II Nr.1 SGB VIII), vielmehr alle „Träger von Einrichtungen, in denen sich Kinder oder Jugendliche ganztägig oder für einen Teil des Tages aufhalten oder in denen sie Unterkunft erhalten“, d.h. auch Träger stationärer Behindertenhilfe, von Schulen/ Internaten und kinder-/ jugendpsychiatrischer Kliniken.

Hier ein Überblick zu den Inhalten „fachlicher Handlungsleitlinien“ (Bemerkung: „fachliche Verantwortbarkeit“/ Legitimität bedeutet – wie bereits beschrieben – , dass eine neutrale Person das Verfolgen eines pädagogischen Ziels erkennen kann; die pädagogischen Ziele lassen sich auf den grundlegenden AnsatzEigenverantwortlichkeit – Gemeinschaftsfähigkeit“ zurückführen/ § 1 I SGB VIII).:

Fachl Hleitlinien 3

Fachliche Handlungsleitlinien

Es sollten also Handlungsleitlinien i.S. fachlich- pädagogischer Verantwortbarkeit den von der Rechtsordnung Kindeswohl zugeordneten Beurteilgsrahmen ausfüllen, insoweit den Kindesrechten vorgeschaltet sein, ansonsten ist die Auslegung des unbestimmten Rechtsbegriffs Kindeswohl Juristen (Familienrichtern, Staatsanwälten) überlassen, in erheblichem Zeitabstand zur Praxis, nur bedingt in der Lage, dem Kindesschutz zu dienen.

Hinweis: es ist nicht hilfreich, wenn von Landesjugendämtern die Position vertreten wird, Kindeswohlauslegung sei immer subjektiv, in Streitfällen mögen letztendlich Gerichte über Konflikte entscheiden. Letzeres ist nicht praktikabel und führt zu monatelangen Warteschleifen wegen unterschiedlicher Haltung. Und: welcher belegungs- und betriebserlaubnisabhängige Anbieter zieht vor Gericht?
Im Übrigen: selbstverständlich liegt immer subjektives Bewerten zugrunde, die neue Idee lautet jedoch: einen fachlichen Beurteilungsrahmen beschreiben und selbstbindend neben der Rechtsordnung beachten. Ermessen ist unzulässig.

Wichtig ist Folgendes:


VI. DOPPELAUFTRAG PÄDAGOGIK – AUFSICHT

Was bedeutet Pädagogik und Aufsicht?

Die Begriffe stehen für den gesellschaftlichen Doppelauftrag Erziehender: den Auftrag Persönlichkeitsentwicklung (Pädagogik) und den Aufsichtsauftrag, auf die Abwehr von Eigen-  oder Fremdgefährdung des Kindes/ Jugendlichen ausgerichtet. Da die unterschiedlichen Ziele mit Konflikten verbunden sind, stellt dieser zweifache Auftrag eine besondere Herausforderung dar, der sich diese Website mit Strukturvorschlägen stellt. Dies zugrunde legend sind die Strukturvorschläge auf den natürlichen Machtüberhang der Erziehung ausgerichtet, der sich in einem Spannungsfeld Pädagogik und Recht manifestiert. In diesem Zusammenhang sind z.B. die nachfolgenden, berechtigten Fragen zu stellen:

  • Was bewirken Rechtekataloge, wenn Kindern und Jugendlichen das Eigentumsrecht zugesichert wird, aus Erziehungsgründen aber ein Handyverbot gilt  oder das Handy im R. der Aufsichtspflicht weggenommen  wird?
  • Wem nutzen neutrale Beschwerdestellen, z.B. Ombudspersonen, wenn ungeklärt bleibt, wie dem zwischen Erziehungsauftrag (Machtüberhang der Erziehung) und Kindesrechten bestehendem natürlichem Spannungsfeld begegnet wird?
  • Muss nicht das Instrument der neutralen Beschwerdestelle mit Aussagen zur „fachlichen Verantwortbarkeit“ ergänzt werden, damit mögliche unsachgemäße Entscheidungen vermieden werden? Kann der ausschließliche Kindesrechtebezug ausreichen?

Im Ergebnis sind im Alltag der Betreuung von Kindern und Jugendlichen folgende Bewertungen des Verhaltens von PädagogInnen möglich:


VII. FACHLICH- RECHTLICHE SICHT → 2 KINDESWOHL- KOMPONENTEN

Für Kinder und Jugendliche das „Richtige zu wollen“, ist ein wichtiger Aspekt – entscheidend aber ist es, dem Kindeswohl zu entsprechen. Das Kindeswohl ist geprägt von zwei Komponenten, § 1666 BGB („körperliches, geistiges, seelisches Wohl“ und „Vermögen“) wie folgt konkretisierend und dem Prinzip der fachlich- rechtlichen Problemlösung entsprechend:

  • Objektiv nachvollziehbares Verfolgen eines pädagogischen Ziels („fachliche Verantwortbarkeit“/ Legitimität)
  • Rechte von Kindern und Jugendlichen → Kindesrechte (Legalität)

legal-legitim

Legitimität und Legalität

Im Zusammenhang mit der fachlich- rechtlichen Betrachtung folgender Vergleich:

Dabei ist erkennbar, das es primär darum geht, eine fachliche Bewertung durchzuführen, erst anschließend die rechtliche. Nur so kann pädagogische Kreativität und Spontanität gewährleistet werden.


Fachliche Grenze → Legitimität/ „Fachliche Verantwortbarkeit“

Rechtliche Grenze → Legalität/ Verhalten im Rahmen der Rechtsordnung (Gesetze, Kindesrechte)


Legitimität → bedingt Legalität, wenn der Rechtsordnung entsprochen wird; Beispiel: pädagogische Grenzsetzung wie Verbot eines gewaltverherrlichenden Films

Illegitimität → bedingt Illegalität, wenn nicht Eigen-/ Fremdgefährdung des Kindes/ Jugendlichen begegnet wird; Beispiel: Kind auf den Boden drücken, ohne dass Selbst- oder Fremdgefährdung vorliegt

Legalität → bedingt nicht automatisch Legitimität; Beispiel Schlagen in der Nachkriegsheimgeschichte

Illegalität → bedingt nicht automatisch Illegitimität Beispiel: Taschengeld- Einbehalt ohne Zustimmung des Kindes/ Jugendlichen


Schwierige Situationen des Erziehungsalltags sind nicht isoliert zu betrachten, vielmehr im Kontext pädagogischer Grundhaltung der/s ErzieherIn und einer spezifischen Vorgeschichte. Im Vorfeld können Zuwendung und verbales Grenzensetzen erfolglos geblieben sein, z.B. aufgrund von Konflikten in der Beziehung zum Kind/ Jugendlichen. Ursache hierfür kann wiederum der Doppelauftrag „Pädagogik und Aufsicht“ sein: die gesellschaftliche Erwartung, Kinder/ Jugendliche einerseits in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern, mit den Zielen der eigenverantwortlichen, gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit (Pädagogik), andererseits sie zu beaufsichtigen (Aufsichtspflicht), d. h. sie vor sich selbst und vor Anderen ebenso zu schützen wie vor Gefährdungen für Andere. Das Projekt bezweckt einen Brückenschlag zwischen der „fachlichen Verantwortbarkeit“ und den normativ- rechtlichen Anforderungen. Auf diese Weise lassen sich Alltagsprobleme der Erziehung und pädagogische Grundsatzfragen leichter lösen bzw. beantworten.

Erziehung beinhaltet Machtüberhang. In der institutionellen Erziehung bestehen aber z.T. Unsicherheiten, welche Machtausübung zulässig ist, trotz oder gerade wegen des Gesetzes zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung (§ 1631 II BGB) aus dem Jahr 2001. Dies erfordert, die Handlungssicherheit in der Pädagogik Verantwortlicher durch einen Orientierungsrahmen zu stützen, der Entscheidungen objektivieren hilft.

In der elementaren Frage, welche Entscheidung/ welches Verhalten fachlich verantwortbar (legitim) und rechtlich zulässig (legal) ist, können Beispiele herangezogen werden, die Kinder und Jugendliche der Evangelischen Jugendhilfe Schweicheln benannt haben, z.B. :

  • Unerwünschter Körperkontakt
  • Zu nahe kommen
  • Anfassen
  • An die eigenen Sachen gehen
  • Gegenstände wegnehmen

Eine Frage lautet auch, welche Strafen legitim sind.

In diesem Zusammenhang sei der Hinweis erlaubt, dass es in der Beantwortung der Frage nach „fachlicher Verantwortbarkeit“ um objektive pädagogische Schlüssigkeit geht, d.h. darum, ob eine neutrale Person das Verfolgen eines pädagogischen Ziels erkennen kann. Es ist hingegen nicht entscheidend, die pädagogische Haltung Anderer durch die eigene Haltung zu ersetzen. Wichtig ist daher für in der Pädagogik Entscheidungsverantwortliche, subjektiv für im Kindeswohl richtig erachtete Überlegungen mittels objektivierender Strukturen zu reflektieren, insbesondere i.S. deren fachlich- ethischer Verantwortbarkeit (Legitimität) und rechtlicher Zulässigkeit (Legalität). Die Pädagogikidee fachlich- rechtliches Problemlösen kann mittels der Prüfschemata zulässige Macht gelebt werden:

  • im pädagogischen Alltag
  • bei Entscheidungen mittelbar verantwortlicher Leitungen / Träger, Jugend- / Landesjugendämter; Schulaufsicht.

VIII. QUALITÄTSENTWICKLUNG DAUERHAFTER QUALITÄTSZYKLUS

In Angeboten sollte folgender Prozess der Qualitätsentwicklung stattfinden, vom Projekt Pädagogik und Recht begleitet:

Vor einem „QM- Prozess Handlungssicherheit“ wird i.d.R. ein Inhouseseminar durchgeführt. Wird auf dieser Grundlage Qualitätsentwicklung gewünscht, kann eine weitergehende Begleitung durch das Projekt sicher gestellt werden

paedagogik-recht_qualitaetszyklus

QM- Prozess

Qualitätszyklus der Pädagogik


IX. PARADIGMA REFLEXION 

Paradigma institutioneller Erziehung in der Verantwortung von PädagogInnen, Leitung/ Trägern, Behörden ist die „Fachlich- rechtliche Reflexion von Entscheidungen“: Voraussetzung für Handlungssicherheit und Kindesschutz ist die Fähigkeit, Entscheidungen mit Hilfe objektivierender Strukturen zu reflektieren, d.h. die persönliche Erkenntnis, was für ein Kind / Jugendliche das Richtige ist, dementsprechend evtl. anzupassen.

Paradigma Selbstreflexion