Fachlich begründbares Entscheiden


Fachliche Legitimität-Teil der Legalität


 WAS BEDEUTET „FACHLICH BEGRÜNDBAR“?

Es geht darum, eine objektivierende Reflexionsebene anzubieten, um zunächst in pädagogischer Haltung getroffene, subjektiv begründete Entscheidungen (jede/r „meint es gut“) zu überdenken und somit eine dem „Kindeswohl“ entsprechende pädagogisch- qualitativ abgesicherte Entscheidung zu ermöglichen. „Fachlich begründbar“ bedeutet, dass aus der Sicht einer fiktiven fachlich- geschulten Person gefragt wird, ob die subjektive Begründung pädagogisch zielführend sein kann: wird nachvollziehbar ein pädagogisches Ziel verfolgt? Bemerkung: pädagogische Basisziele sind nach § 1 SGB VIII „Eigenverantwortlichkeit“ und „Gemeinschaftsfähigkeit“. Siehe hierzu auch die angebotenen Prüfschemata. Die beschriebene objektivierende Reflexion ist bei Entscheidungen unmittelbar verantwortlicher PädagogInnen aber auch mittelbar verantwortlicher Behörden angezeigt, um der Beliebigkeitsgefahr zu begegnen, bedingt durch ausschließlich subjektive Entscheidungsfindung. „Fachlich begründbar“ ist identisch mit „fachlich legitim“.

Grundlage „fachlicher Legitimitätt“ sollten „Leitlinien pädagogischer Kunst“ sein. Am Beispiel „Schlagen“ wird deutlich, wie wichtig klarstellende Leitlinien sind:

  • Papst Franziskus bejaht „würdevolles Schlagen“.
  • Schlagen ist aber grundsätzlich ungeeignet, ein pädagogisches Ziel zu verfolgen, ist mithin fachlich illegitim (unbegründbar).
  • Schlagen braucht keine strafrechtliche Rechtfertigung i.S. eines „Züchtigungsrechts“ (Heimgeschichte). Es widersprach und widerspricht ethischen Anforderungen, hätte bereits damals als „fachlich illegitim“ geächtet werden müssen, nicht erst im Jahr 2000 gesetzlich. Dass dies nicht geschah, war dem Zeitgeist geschuldet und der Tatsache, dass – wie auch heute noch – ausformulierte Erziehungsethik fehlte. Im Übrigen: warum wurde zum Teil ausschließlich die Rechtslehre fokussiert? Weil es sich die Fachwelt mit dem juristischen „Züchtigungsrecht“ einfach machte und nicht – wissenschaftlich abgesichert- pädagogische Ziele hinterfragte? Vielleicht bot und bietet die Erziehungswissenschaft insgesamt zu wenig belastbare Feststellungen und Standards: laut Professor Schwabe sind nur ca 10% der pädagogischen Praxis wissenschaftlich gesichert.
  • Auch aus Praktikabilitätsgründen kann nicht zwischen „würdevollem“ und „entwürdigendem“ Schlagen unterschieden werden. Schlagen ist ungeeignet, der Persönlichkeitsentwicklung zu dienen, da das Kind/ die/ der Jugendliche es als seelisch oder gar körperlich verletzend empfinden muss, ob nun ins Gesicht oder „nur“ auf den Po geschlagen wird.
  • Sofern jedoch das Kind/ die/ der Jugendliche einen Klaps als Aufmunterung oder Form von Zuwendung empfinden kann, liegt darin ein probates Mittel, ein pädagogisches Ziel zu erreichen, ist Handeln fachlich legitim.
  • Die mit der Äußerung des Papstes verbundene Diskussion zeigt, wie wenig hilfreich das „Gewaltverbot“ des § 1631 II BGB mit dem Begriff „entwürdigende Maßnahme“ ist. Zugleich wird freilich die Bedeutung fachlicher Leitlinien verdeutlicht, in denen rechtliche Begriffe wie Kindeswohl, „Gewalt“ und „entwürdigende Maßnahme“ fachlich konkretisiert werden sollten. Hier ein Beispiel für fachliche Handlungsleitlinien.

Folgende Leitsätze sind zur >fachlichen Begründbarkeit< hervorzuheben:

Päd. Straße